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Was sind Lernmanagementsysteme?

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Lernmanagementsysteme (LMS) sind ein wesentlicher Bestandteil zukunftsorientierten Unterrichts. Sie sind ein Eckpfeiler des Distanzunterrichts und bieten neue Möglichkeiten des individualisierten, kooperativen und selbstgesteuerten Lernens im Distanz- und Präsenzunterricht.

Was ist ein Lernmanagementsystem?
Ein LMS ist eine Software, die den Lernprozess in den Mittelpunkt stellt. Ausgehend von den Erfordernissen für das Lernen mit digitalen Medien werden umfassende und miteinander verzahnte Funktionalitäten bereitgestellt, die den gesamten Lernprozess abdecken. Ausgereifte LMS sind skalierbar, adaptiv erweiterbar und können damit den individuellen Lernszenarien vor Ort angepasst werden.

Lernmanagementsysteme können als „digitale Assistenten“ für Lehrkräfte dienen und erweitern damit den Spielraum für eine individuelle pädagogische Betreuung von Schülerinnen und Schülern.

Welche Vorteile bieten LMS?
LMS bieten viele Vorteile u. a.

  • Zeitliche und räumliche Flexibilität des Unterrichts.
  • Fahrt- und Wegezeiten für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte können reduziert werden (ökologischer Aspekt, Attraktivität des ländlichen Raumes erhalten im Sinne des Regionalmanagements).
  • Vulnerable oder erkrankte Schülerinnen und Schüler können am Unterricht partizipieren.
  • Unterrichten durch vulnerable Kolleginnen und Kollegen kann ermöglicht werden.
  • Mitwirkung und Kooperation von dualen Ausbildungspartnern auf digitalem Weg ist möglich.
  • Reduzierung von Kopierkosten und -zeiten.
  • Förderung der KMK-Kompetenzen „Bildung in der digitalen Welt“ aller Beteiligten.
  • Digitale Ergebnisse können leicht geteilt und wiederverwendet und weiterbearbeitet werden (z. B. als Open Educational Ressource - OER).  

Welche Möglichkeiten bietet ein Lernmanagementsystem?

Lehr- und Lernkultur

  • Einbettung multimedialer und interaktiver Inhalte im unterrichtlichen Kontext.
  • Abbildung von komplexen Lernsituationen nach SchuCu-BBS.
  • Flexibel einsetzbare Lernaktivitäten zur Meinungsbildung, zum Gedankenaustausch, zum kooperativen Lernen sowie zur Reflexion.
  • Entwicklung einer neuen Lehr- und Lernkultur.
  • Förderung durch Personalisierung und Lernpfade1.

Kompetenzerwerb

  • Förderung der KMK-Kompetenzen „Bildung in der digitalen Welt“ bei allen Beteiligten.
  • Methoden- und Medienkompetenzen durch multimediale Handlungsergebnisse.
  • Eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen.
  • Entwicklung von personalen Kompetenzen durch arbeitsteilige Lernaktivitäten und gemeinsame Teamergebnisse.

Welchen Funktionsumfang umfasst ein Lernmanagementsystem?            

  • Handlungsorientierter Unterricht wird durch die LMS-Funktionalitäten ermöglicht und gefördert.
  • Individuelle Lernpfade in Abhängigkeit von Vorkenntnissen und auf Basis von (teil- oder voll-) automatisiert ausgewerteten Eingangs- und Zwischentests werden bereitgestellt.
  • Umfassende Kollaborationswerkzeuge wie z. B. WIKIs, Foren, Chats, Videokonferenzen, Online-Editoren können genutzt werden.
  • Feedback-Kultur wird gefördert, z. B. durch vom LMS organisierte 360° Feedbacks oder Peer-Feedbacks zu Übungen und umfassende Möglichkeiten zum individuellen Feedback durch die Lehrkraft.
  • Umfassende e-Portfolio-Funktionalitäten für verschiedene Formen des Lernens als Basis für Leistungsnachweise (Fördern und Fordern) sind implementiert.
  • Umfassende e-Assessment-Funktionalitäten u. a. zur Prüfungsvorbereitung werden bereitgestellt. Dazu sind teil- und vollautomatisierte Testverfahren mit einem weitreichenden Fragetyp-Spektrum (z. B. Freitextfragen, Hot-Image-Fragen, Lückentextfragen, Single Choice, Multiple Choice, STACK-Fragen für Mathematik) möglich.
  • Standardisierte Formate (z. B. SCORM) für Lerninhalte ermöglichen den Austausch zwischen unterschiedlichen LMS über Schulgrenzen hinweg.
  • Ein umfassendes Rollen- und Rechtekonzept ermöglicht die Einhaltung des Datenschutzes.
  • Eine didaktisch angepasste Oberfläche in Abhängigkeit der Nutzergruppe kann angeboten werden.
  • Bestehende schuleigene Cloudspeicher können oftmals durch Plugin-Technologie integriert werden.
  • LMS sind skalierbar und können mit künftigen Anforderungen wachsen.
  • Die Möglichkeit zur Nutzung zentral bereit gestellter Lerninhalte über Schulgrenzen und Bildungspartner hinweg via moderner Client-Server-Technologie und LTI (Learning Tools Interoperability) besteht.
  • Badges (Anerkennung für informelles, selbstgesteuertes Lernen) und viele weitere Funktionalitäten im Rahmen des Lernprozesses werden zur Verfügung gestellt.

Welche praxiserprobten und verbreiteten LMS gibt es?

Mit Blick auf den Einsatz im schulischen und universitären Bildungsbereich aber auch im Bereich Aus- und Fortbildung sind die folgenden beiden Lernmanagementsysteme weit verbreitet und haben sich über viele Jahre hinweg in der unterrichtlichen Praxis bewährt. Sie verfügen über alle oben genannten Funktionen und bieten darüber hinaus noch zahlreiche weitere Möglichkeiten. Beide LMS stehen lizenzkostenfrei als Open-Source-Projekte zur Verfügung.

ILIAS
Nähere Informationen finden Sie unter https://www.ilias.de

moodle
Nähere Informationen finden Sie unter https://moodle.org

 

 Die beiden Lernmanagementsysteme ILIAS und moodle können an die Niedersächsische Bildungscloud angebunden werden.

Quelle: https://niedersachsen.cloud

Was sind Gelingensbedingungen für LMS?

  • Leistungsfähige Serverinfrastruktur

    Für moodle gibt es die Möglichkeit eine moodle-Instanz beim NLQ kostenfrei hosten zu lassen.

    Für ILIAS gibt es ebenfalls ein kostenloses Angebot mit Support für Schulen unter https://www.ilias.de/kostenloses-lms-schule-corona/.
    Es besteht die Möglichkeit ein eigenes ILIAS- oder moodle-Lernmanagementsystem aufzusetzen. Dies setzt eine für das jeweilige System geeignete Serverinfrastruktur voraus.
  • Fortbildungen für Lehrkräfte
    Das NLQ bietet regelmäßig Fortbildungen zu Lernmanagementsystemen an. Zudem ist es erforderlich die Einführung von Lernmanagementsystemen an den Schulen durch schulinterne Lehrkräftefortbildungen zu begleiten.
  • Arbeitsteilige Erstellung austauschbarer Lernobjekte (Zusammenarbeit)
    Eine arbeitsteilige Erstellung und der Austausch von Lernobjekten führen zu einer hohen Akzeptanz und einer Entlastung der Lehrkräfte, da nicht jede Schule diese selbst erstellen muss.
    Einhaltung und Beachtung der urheberrechtlichen Regelungen ( gelten auch für LMS!)

Wie geht es weiter?

Der Einsatz von LMS und die Arbeit mit digitalen Medien werden unterrichtliche Normalität. Die Struktur einer Schule lässt sich als digitales Pendant im LMS abbilden, wodurch sich Lehrkräfte und Lernende schnell zurechtfinden.

Es wird den Schulleitungen geraten, beim Ausbau der IT-Infrastruktur und Aufbau des Lernens mit digitalen Medien, den Einsatz von Lernmanagementsystemen einzuplanen. Die Entscheidung für eine Softwarelösung ist i.d.R. langfristig bindend und sollte daher in Bezug auf die oben genannten Funktionalitäten und mit Blick auf die Kosten (Einführung und laufende Kosten) abgewogen werden.

Eine sinnvolle Vorgehensweise besteht in der Einrichtung von Teams, die sich mit der Thematik auseinandersetzen und die Einführung eines LMS begleiten.

Das Niedersächsische Kultusministerium plant die Einrichtung einer Expertinnen- und Expertengruppe zur Unterstützung der Schulen bei der Einführung von Lernmanagementsystemen, welche zu Beginn des Schuljahrs 2020/2021 die Arbeit aufnehmen wird.

1 Ein Lernpfad ist ein strukturierter Materialpool in einem Lernmanagementsystem.


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